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Sinnliche Farb-Welten


Die physische Welt ist die Welt der Form. Die Welt des Wunsches ist vor allem die Welt der Farbe.
(Max Heindel)


„Je mehr man von der Farbe weiß, desto mehr kann man sie lieben“ (Frieling, 1979,)



Dieser Test spricht für sich: Menschen, die zuerst einen gelben und dann einen blauen Raum betreten, empfinden den blauen trotz gleicher Temperatur kühler als den gelben.


Farben begleiten uns Tag und Nacht, Farben wirken auf unseren Körper und die Psyche. Forscher berichten gar, auch Blinde empfinden Farben in einem Raum.


Die körperlichen Wirkungen sind untersucht worden: „Ob Rot, Blau, Grün, Gelb oder Violett – jeder Farbton sendet spezifische, messbare physikalische Schwingungen aus, die unser Auge als Farbreiz aufnimmt“, schreibt Bettina Rodeck in dem Buch „Mensch, Farbe, Raum“ (Koch-Verlag). Die Schwingungen der Farben sind langwellig oder kurzwellig. Man hat herausgefunden, dass Rot erregender wirkt als Grün oder Blau, dass Herz und Kreislauf bei Rot schneller arbeiten und der Blutdruck steigt.


Auch die psychologischen Wirkungen der Farben sind untersucht worden. Eine Farbe wie Grün wird als ausgleichend und beruhigend beschrieben. Auf der symbolischen Ebene wird sie z.B. mit Sicherheit, Natur oder Hoffnung assoziiert. In unserem Kulturkreis wird weiß mit Reinheit und Schwarz mit Trauer verbunden.


Noch spannender sind diese Beschreibungen, wenn Farben nicht nur mit dem Sehsinn, sondern auch mit anderen menschlichen Sinnen wahrgenommen werden: mit dem Temperatursinn (eine Farbe wirkt heiß oder kühl), mit dem Gewichtssinn (leicht oder schwer), mit dem Tastsinn (hart, weich, rau), mit dem Geruchssinn (frisch, herb) mit dem Geschmackssinn (süß oder salzig, gelb wird z.B. mit sauer assoziiert) und dem Hörsinn (laut oder leise).


Macht man sich deutlich, wie ganzheitlich diese Sinne zusammenwirken, wird klar, vor welch großer Aufgabe ein Wellness-Architekt steht. Im Raum wirken Farben zudem unterschiedlich je nach ihrer Intensität, ihrer Kombination mit dem Licht und nach ihrer Stellung im Raum. Eine weiße Decke lässt den Raum höher erscheinen, eine dunkle Decke „drückt“. Der Einfall des Lichts hat eine ebenso starke Wirkung auf die Farben. Blau soll etwa an den Wänden beruhigend wirken, an der Decke drückend, auf dem Boden dagegen raumvertiefend. (Peter Richter, Architekturpsychologie, Pabst Science Publishers)


In der Wellness-Architektur gewinnen Farben und Materialien immer mehr an Bedeutung. Dominierten in Hallenbädern früher weiße, blaue und graue Farbtöne, setzen sich in Wellnessbereichen heute Terrakotta, Orange und Natur-Töne durch. Aber auch Farbkontraste können wunderbare Stimmung in den Raum bringen, Innenarchitekten werden mutiger und setzen ihre ganz individuelle Note. Der Gast möchte Farben erleben, die er gerade nicht zu Hause hat, die ihn in eine andere Welt versetzen.


heiss+kalt hat die Innenarchitektin Lore Gellersen und die Wellnessanlagen-Planerin Alexandra Graf nach ihrem Farb- und Architektur-Konzept befragt


Lore Gellersen:

„Ich möchte, dass der Saunagast von Räumen empfangen wird, in denen er sich durch eine angenehme Licht- und Farbstimmung sofort wohl-, an- und aufgenommen fühlt. Ein wichtiges Thema ist das Farbkonzept. Die Farbwelt sollte den Saunagästen hier weitestgehend in ihrer Ursprünglichkeit begegnen. Das heißt, dass zunächst folgende Fragen gestellt werden müssen: Woher kommt die Farbe? Wie haben wir Farben kennen gelernt? Welche Farbwelt aus der Natur ist in uns verankert? Die Farben Beige und Braun entsprechen der Erde, befinden sich also unten ebenso wie die Farbe grün, die Gras assoziiert. Grünblau ist ein Farbreiz für Wasser und gehört räumlich ebenfalls nach unten. Die Farben Rot und Orange muten an wie Feuer, wie ein Feuerball, hin und wieder zeigt sich so die Sonne am abendlichen Himmel. Die Farbe Rot ist im Raum in mittlerer Höhe anzusiedeln. Blau, als Farbe, die sich vom Himmel ableitet liegt also eher im oberen Bereich bis hin zur Horizontlinie. Unter Berücksichtigung dieser Aspekte im Zusammenhang mit Raumbeleuchtung und Raumtemperatur wird es möglich, den Saunabesuchern ein Umfeld zu bieten, das Natürlichkeit vermittelt.“


Alexandra Graf:

Ich sehe die Farbe nicht als einzelnes Instrument der Gestaltung, sondern als Teil einer ganzheitlichen Komposition für die „Traumwelt“ des Kunden. Insofern sind Trends und Modeerscheinungen für mich unbedeutend, wenn diese nicht die Gefühle und Stimmungen des Anwenders ansprechen. Die Farben werden automatisch aus dem Bild generiert, das mein Kunde in seiner Vorstellung hat; durch die grundsätzlichen Bedürfnisse des Kunden. Soll das eigene Refugium für einen sportlichen und aktiven Typ kreiert werden? Oder ist es eher ein ruhiger, romantisch-kuscheliger Mensch, der viel Wärme braucht? In welche Welt möchte er sich hinein versetzt fühlen? Den Tropenwald? Die Wüste oder das Meer? Faszinieren ihn eher fernöstliche, indianische oder europäische Traditionen? Daraus ergibt sich automatisch die richtige Farbkombination, so wie sie uns die Natur vormacht. Und dass dafür jedoch immer die typischen Regeln der harmonischen Farbenlehre im Einsatz der Farbspektren berücksichtigt werden müssen, ist für mich selbstverständlich.